Freitag, 8. Oktober 2010

Wenn der Aufsteller nicht sehen will

Vorsicht Grundsatzdiskussion!
Immer wieder kommt es vor, dass sich in Aufstellungen etwas zeigt, und der Aufsteller (Mensch, der sein Thema aufstellt) etwas ganz anderes sieht als der Rest der Gruppe. Wie damit umgehen?
Die Frage, Wer hat Recht?, drängt sich geradezu auf, ist aber meines Erachtens genau die falsche, denn wer Recht hat, ist selten zu beweisen. Und selbst wenn, wer hat etwas davon? In therapeutischen Zusammenhängen würde man auch Grenzen überschreiten, um dem Klienten klarzumachen, was sein Thema ist. Ob das in der Therapie angemessen ist, will ich nicht beurteilen. Im (von mir moderierten) Freien Aufstellen ist es nicht angemessen. Beim Freien Aufstellen steht der Aufsteller im Mittelpunkt. Er entscheidet, was er sehen möchte, und damit auch, was er nicht sehen möchte. Ihn mit Gewalt auf etwas hinzuweisen, von man als Stellvertreter oder Zuschauer zutiefest überzeugt ist, führt in der Regel nur dazu, seine Abwehr zu verstärken. Als Moderator achte ich darauf, dass der Aufsteller alle Informationen erhält, die Interpretation dieser Informationen jedoch dem Aufsteller selbst überlassen bleibt. Wer muss denn damit leben?

Sonntag, 3. Oktober 2010

Der Raum ist fertig ...


... naja, zumindest so einigermaßen. Es fehlen noch ein paar Bilder an der Wand, damit das alles schön und kuschelig ist. Guckt mal ...

Was kann man eigentlich alles aufstellen?

Die schnelle Antwort lautet: Alles. Sehr schön: Drehbuchaufstellungen. Neulich mal bei meiner (übrigens sehr netten Kollegin) Karin Pilot reingeschaut. Das ist richtig aufregend, in "fiktive" Charaktere zu schlüpfen und dem Autoren mitzuteilen, was man fühlt, welche Rolle man annehmen mag und welche nicht. Immer wieder lustig ist es, das Unternehmen aufzustellen, in dem man sein tägliches Brot verdient. Erst letzte Woche hatten wir das Thema hier. Das Kernproblem: Der Eigentümer hatte nicht einen Furz Interesse daran, Verantwortung für seine Firma zu unternehmen. Na, das muss doch schief gehen. Und natürlich stellt immer gerne Beziehungen auf. Spannend daran: Man denkt ja immer genau zu wissen, woran es hapert. Und da kämpft man sich Monate und Jahre eins zurecht und erfährt dann in einer Aufstellung, dass man die ganze Zeit das Schicksal seines Großvaters gelebt hat

Mittwoch, 29. September 2010

Wer kann wen aus der Rolle entlassen?

Neulich, bei einem Aufstellungsnachmittag, habe ich wieder erlebt, wie viel Wert der Veranstalter darauf legte, dass der Aufsteller seine Stellvertreter entlässt. Dann mussten die Stellvertreter sich im Kreise "aus der Rolle herausdrehen" und kräftig die Händen und den Körper ausschütteln. Am Ende musste man noch viel Wasser trinken, nur um Gottes willen keinen Kaffee oder Tee. Ist das wirklich notwendig?
Wir sind doch jeden Tag Stellvertreter für unsere Mitmenschen. Danach entlässt uns auch keiner aus unseren oft unfreiwillig eingenommenen Rollen (zumindest hat mich das noch keiner). Da jeder einzelne entscheidet, ob er sich aus Stellvertreter zur Verfügung stellt, ist auch er der einzige, der entscheidet, wann er sich nicht mehr zur Verfügung stellt. Entlassen hat also nicht mal Sinn, wenn der Stellvertreter nicht entlassen werden möchte.
Ist das Entlassen also ein nutzloses Ritual? Vielleicht ist es für jene gut, denen das Aufstellen noch fremd ist. Vielleicht hilft dieses Ritual Anfängern, zu verstehen, wann die Aufstellung vorüber ist. Aber niemand sollte sich je sorgen, wenn er nicht entlassen wurde. Er kann es selbst tun. Ja, sogar: Nur er selbst kann es tun. Am einfachsten mit den brillanten Worten von Olaf Jacobsen: Ich stehe (dafür) nicht mehr zur Verfügung!

Dienstag, 28. September 2010

Ein Leben als Retortenbaby

Ich glaube, Franz Ruppert hat in seinem Seminar darüber gesprochen, dass Retortenbabys es in dieser Welt oft nicht leicht haben. Einmal hätte ein Stellvertreter sogar Angst gehabt zu erfrieren, noch bevor er wusste, dass er als Ei im Eis herumtransportiert worden war. Klang einleuchtend. Gestern durfte ich etwas Ähnliches am eigenen Leib erfahren. Ich wurde als Zwilling im Alter von 4,5 Jahren aufgestellt. Meine Mutter wirkte gefühlskalt auf mich, in meiner Rolle fand ich sie abstoßend. Ich fragte den Aufstellenden, ob ich durch Kaiserschnitt zur Welt gekommen sei, weil die Mutterbindung komplett fehlte (Oxytocin, das während der natürlichen Geburt ausgeschüttet wird, fehlt Kaiserschnittgeburten). Der Aufstellende bestätigte den Kaiserschnitt. Wir legten Oxytocin/Mutterliebe ins System, und ich wurde von Sehnsucht und Wärme überflutet. Dann erklärte der Aufstellende, dass es zwar die leibliche Mutter sei, aber die Eier von einer anderen Frau stammen. Als wir die Ei-Spenderin dazustellten, war das fast eine religiöse Erfahrung für mich. Plötzlich hatte mein Leben einen Sinn, eine Richtung, einen Inhalt. Dazu kam, dass die Ei-Spenderin nicht sprechen konnte, jedenfalls das Gefühl hatte, die Sprache nicht zu kennen, was uns dazu anregte, ihre „Heimat“ dazuzulegen. Erst dann konnten ich und meine Zwillingsschwester uns richtig entspannen – bis dahin war es ein ziemlich seelenloses Leben.

Fulminanter Start im neuen Raum

Wollte nur eben vermelden, dass mein neuer Raum gestern Abend wunderbare Aufstellungen beschert hat, u.a. zu Retortenbabys (mehr dazu bald). Jedenfalls klappte der Start in die neue Aufstellungsrunde ganz wunderbar. Vielen Dank an alle, die mir die Daumen gedrückt und gute Wünsche geschickt haben :-)

Freitag, 24. September 2010

Aufstellungsabende für Männer, die Männer lieben

So, nun habe ich auch die Termine für die Abende mit Männern, die Männer lieben festgelegt. Ich biete in diesem Jahr noch drei davon an, und zwar immer am ersten Mittwoch des Monats. Das sind also 6. Oktober, 3. November, 1. Dezember, jeweils 19 bis 22.30h. 12 Euro für Aufsteller mit eigenem Thema, 7 Euro für Stellvertreter. Kommet zahlreich :-)
Veranstaltungsort: http://www.stephan-niederwieser.de/ort.html

Donnerstag, 23. September 2010

Termine, Termine, Termine

nächste Möglichkeiten, bei mir aufzustellen:
Freies Systemisches Aufstellen
in Gruppen (Vorkenntnisse nicht erforderlich)

Montag,27. September,
Donnerstag, 21. Oktober,
Dienstag, 11. & Donnerstag, 23. November,
Donnerstag, 9. Dezember 2010
jeweils 19h bis ca. 22.30h

Bitte vorher anmelden, der Platz ist begrenzt, und wenn voll is, is voll :-)

Neue Termine

Jetzt geht's in die Vollen. Ab Montag, 27.9. wird wieder aufgestellt. Den Sommer über habe ich die Auszeit genossen, mich selbst bei Olaf aufgestellt und meine Praxis auf Vordermann gebracht. Seit heute hängen die ersten Ankündigungen für meinen Workshop im November. Montagabend ist das Haus schon voll. Vielleicht kommst auch du mal vorbei?

Dienstag, 16. März 2010

vollzug

was vollzug bedeutete - von dem hellinger immer schreibt - habe ich vor ein paar wochen gelernt, als ich mich zum ersten mal vor das grab der familie meines vaters gestellt habe. man kann das natürlich auch in der gruppe aufstellen, aber vor so einem grab zu stehen, dieses bedürfnis zu "vollziehen", ist dann doch ganz spannend.

wieder mal geführt

hab mich heute mal wieder zu einem kollegen gewagt, der die aufstellungen führt. mal abgesehen davon, dass es mich irritierte, dass er mir lange nicht in die augen schauen konnte, hat er sehr interpretiert und den klienten mit seinen interpretationen in eine gefühlsrichtung gelenkt. ich als stellvertreter ertappte mich bei der zweiten aufstellung schon dabei, mich selbst zu zensieren, dinge nicht auszusprechen, weil ich angst hatte, dass sie ihm nicht ins konzept passen. sicher gibt es beim freien aufstellen auch diese probleme, aber ich habe doch die hoffnung, dass es mehr regulierende elemente gibt.

Blog is blog

Ich hab mich immer gewundert, warum hier niemand einen Kommentar hinterlässt. Da klärte mich doch neulich eine Kollegin auf, dass Blogs immer nur von den Betreibern bestückt werden. Hm, bleibt mir wohl nix übrig, als kräftig zu schreiben, damit das hier nicht langweilig gibt. Themen hab ich genug. Nur an der Zeit fehlt's. Also stramm voran gleich zum ersten ...

Sonntag, 24. Januar 2010

Angebot statt Anweisung, DIE 2TE

Olaf hat mich dazu angeregt, diesen Kommentar zu genauern. Anweisung sind natürlich auch okay - solange sie dem Impuls eines Stellvertreters entsprechen. Es könnte ja sein, dass der Aufstellende immer wieder erlebt, dass ihn jemand in seinem Leben herumkommandiert, Anforderungen an ihn stellt, über ihn bestimmt.
Die Herausforderung dabei ist für den Moderator und den Stellvertreter, zu unterscheiden, ob es ein Impuls ist, der aus der stellvertretenen Figur herauskommt, oder eine (fixe) Idee/Vorstellung, wie der Aufstellende sein Problem, das gerade aufgestellt wird, in den Griff bekommt.
Ich vermute - und werde das in den Aufstellungen überprüfen -, dass es genügt, genau zu formulieren: "Ich habe den Impuls, dich jetzt herumzukommandieren", "Ich würde dich jetzt am liebsten ..." usw.
Entscheidend ist, dass der Prozess des Aufstellenden im Mittelpunkt bleibt, und dass der Stellvertreter nicht in den Wahn verfällt zu glauben, seine Vorstellung von der Lösung sei besser als das, was das Aufstellende spürt/braucht.

Sonntag, 17. Januar 2010

Angebot statt Anweisung!

einfacher kann man "freies" aufstellen von "geführtem" eigentlich gar nicht unterscheiden, oder?

Freitag, 15. Januar 2010

Nächte Termine bei mir

Donnerstag, 11. Februar, 18.30
Donnerstag, 11. März, 18.30.
Bitte anmelden per mail: s.niederwieser@web.de
oder per Telefon: 0170/833 50 57

Oxytocin und die Liebe

Gestern wieder Oxytocin in eine Familie reingegeben, in der niemand mit dem anderen eine Beziehung zu haben schien, und schwupps ging's los. Wer jetzt meint, man hätte das auch erreicht, wenn man Liebe hineingestellt hätte, irrt. Liebe stand nämlich von Anfang an im System, für sie hat sich aber keiner interessiert.

Mittwoch, 13. Januar 2010

"Geführt" versus "frei"

Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Zwar gefällt mir, was Hellinger sagt (und ich halte ihn für sehr weise), aber das geführte Aufstellen ist mir nach wie vor nicht geheuer. Hellinger gibt selbst zu (und es wäre schlimm, wenn es anders wäre), dass er auch Fehler macht. Wenn ich mir vorstelle, dass mir ein Mann seines Kalibers etwas über mein Leben erzählt, das mich sehr beeindruckt (er schickt z.B. Flüchtlinge in ihr Heimatland zurück oder sagt Eltern, dass sie die Adoption rückgängig machen müssen), und es stellt sich später als falsch heraus ... Nee, nee, nee, da mag ich lieber selber aufstellen. Abgesehen davon finde ich, dass man ein ganz anderes Vertrauen in sich selbst beweist, wenn man sich auf die eigene Seele verlässt, anstatt darauf zu hoffen, dass ein anderer es richten wird. Mache ich Sinn?

Oxytocin

Vor vielen Wochen habe ich beim Aufstellen ein neues Werkzeug kennen gelernt, das ich unbedingt posten möchte, denn es hat sich als sehr dienlich erwiesen: Oxytocin. Eine Mutter, die ein Kind tot geboren hatte, stellte ihre Familie auf. Die Familie wollte das tote Kind außer Sichtweite habe, nach dem Motto "begrabe es doch endlich!" Oxytocin wurde dazugestellt, und siehe da, plötzlich hatten die Familienmitglieder wieder etwas miteinander zu tun. Emotional. Oxytocin "verstärkt die emotionale Bindung der Mutter an das Kind." Mehr dazu z.B. auf Wikipedia.

Hellingers geistiges Aufstellen

Wenn ich in "Ein langer Weg" über die Weiterentwicklung von Hellinger Aufstellen lese, nämlich die Bewegungen der Seele, das geistige Aufstellen, dann finde ich - von dem, was ich bisher davon verstehe -, dass es dem Freien Systemischen Aufstellen nach Jacobsen sehr ähnlich ist. Größter Unterschied vermutlich, dass Hellinger halt selbst im Feld steht, und das wird sich sicherlich auswirken, weil er - einfach aufgrund seiner langjährigen Erfahrung - noch ganz andere Dinge mitkriegt als der durchschnittliche Anfänger. Und natürlich "führt" Hellinger immer noch, auch wenn er passieren lässt, der Seele die Erlaubnis gibt, sich zu zeigen, Heilung zu suchen und finden. Beim Freien Aufstellen führt ja der Aufstellende selbst

Hellinger oder Dunklinger?

Wer sich mit dem Aufstellen beschäftigt, kommt an Hellinger nicht vorbei. Auch nicht an seinen Fans und Gegnern. Mal abgesehen davon, dass ich sein - wie es überall genannt wird - Standardwerk "Ordnungen der Liebe" schrecklich fand, wollte ich mir doch ein besseres Bild machen und habe mir deswegen über Weihnachten zwei Bücher reingezogen. In "Anerkennen, was ist" wird Hellinger von Gabriele ten Hövel interviewt, und plötzlich versteht man den Mann (was so ein bisschen Journalismus doch ausmacht ...). Ich muss gestehen, ich bin sehr angetan - von dem, was er sagt. Wie er arbeitet, kann ich nicht beurteilen. Habe dann gleich noch "Ein langer Weg" nachgelegt und war noch tiefer beeindruckt. Mir gefällt sehr, was er sagt. Und genau betrachtet ist das so weit vom Buddhismus nicht entfernt.
Jedenfalls werde ich mir den Mann nun mal anschauen. Im Februar ist er in Berlin, dann verschaffe ich mir einen eigenen Eindruck.