Dienstag, 28. September 2010

Ein Leben als Retortenbaby

Ich glaube, Franz Ruppert hat in seinem Seminar darüber gesprochen, dass Retortenbabys es in dieser Welt oft nicht leicht haben. Einmal hätte ein Stellvertreter sogar Angst gehabt zu erfrieren, noch bevor er wusste, dass er als Ei im Eis herumtransportiert worden war. Klang einleuchtend. Gestern durfte ich etwas Ähnliches am eigenen Leib erfahren. Ich wurde als Zwilling im Alter von 4,5 Jahren aufgestellt. Meine Mutter wirkte gefühlskalt auf mich, in meiner Rolle fand ich sie abstoßend. Ich fragte den Aufstellenden, ob ich durch Kaiserschnitt zur Welt gekommen sei, weil die Mutterbindung komplett fehlte (Oxytocin, das während der natürlichen Geburt ausgeschüttet wird, fehlt Kaiserschnittgeburten). Der Aufstellende bestätigte den Kaiserschnitt. Wir legten Oxytocin/Mutterliebe ins System, und ich wurde von Sehnsucht und Wärme überflutet. Dann erklärte der Aufstellende, dass es zwar die leibliche Mutter sei, aber die Eier von einer anderen Frau stammen. Als wir die Ei-Spenderin dazustellten, war das fast eine religiöse Erfahrung für mich. Plötzlich hatte mein Leben einen Sinn, eine Richtung, einen Inhalt. Dazu kam, dass die Ei-Spenderin nicht sprechen konnte, jedenfalls das Gefühl hatte, die Sprache nicht zu kennen, was uns dazu anregte, ihre „Heimat“ dazuzulegen. Erst dann konnten ich und meine Zwillingsschwester uns richtig entspannen – bis dahin war es ein ziemlich seelenloses Leben.

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