Neulich, bei einem Aufstellungsnachmittag, habe ich wieder erlebt, wie viel Wert der Veranstalter darauf legte, dass der Aufsteller seine Stellvertreter entlässt. Dann mussten die Stellvertreter sich im Kreise "aus der Rolle herausdrehen" und kräftig die Händen und den Körper ausschütteln. Am Ende musste man noch viel Wasser trinken, nur um Gottes willen keinen Kaffee oder Tee. Ist das wirklich notwendig?
Wir sind doch jeden Tag Stellvertreter für unsere Mitmenschen. Danach entlässt uns auch keiner aus unseren oft unfreiwillig eingenommenen Rollen (zumindest hat mich das noch keiner). Da jeder einzelne entscheidet, ob er sich aus Stellvertreter zur Verfügung stellt, ist auch er der einzige, der entscheidet, wann er sich nicht mehr zur Verfügung stellt. Entlassen hat also nicht mal Sinn, wenn der Stellvertreter nicht entlassen werden möchte.
Ist das Entlassen also ein nutzloses Ritual? Vielleicht ist es für jene gut, denen das Aufstellen noch fremd ist. Vielleicht hilft dieses Ritual Anfängern, zu verstehen, wann die Aufstellung vorüber ist. Aber niemand sollte sich je sorgen, wenn er nicht entlassen wurde. Er kann es selbst tun. Ja, sogar: Nur er selbst kann es tun. Am einfachsten mit den brillanten Worten von Olaf Jacobsen: Ich stehe (dafür) nicht mehr zur Verfügung!
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